Vermelho bruto

↳ Amanda Devulsky

BR 2022, 03:26:00

Portugiesisch mit englischen Untertiteln


Vor dem Hintergrund des Endes der Diktatur in Brasilien begann ich diesen Film zu produzieren. Ich konzentrierte mich dabei auf das, was in der Öffentlichkeit marginalisiert oder ausgeblendet wurde. Viele Menschen wurden ignoriert – so unter anderem indigene Bevölkerungsgruppen, Maroons, Menschen in Besserungsanstalten, psychiatrischen Einrichtungen und Gefängnissen sowie Frauen, die auf den vermeintlich unpolitischen Raum der häuslichen Pflichten beschränkt waren. Ich entschied, mich auf Letztere zu konzentrieren, und stellte mir dabei die Frage: Welche Politik des Alltagslebens wurde dort geschaffen?

Ich habe mich schon immer für Mütter und die Arbeit im Haushalt interessiert. Für den unsichtbaren Kampf, der in den eigenen vier Wänden ausgetragen und nicht als Protest betrachtet wird, obwohl er das vielleicht verdient hätte. Das ist auch Teil meiner Geschichte. Ich bin in Brasília, dem Zentrum der institutionellen und repräsentativen Macht des Landes, geboren und aufgewachsen, bei einer noch ganz jungen Mutter. 2016 beschloss ich, Plakate zu drucken und sie an Bushaltestellen in meiner Heimatstadt aufzuhängen, auf der Suche nach Frauen, deren Lebenswege sich mit meinem gekreuzt hatten. Damals habe ich noch nicht alles, was ich erlebt hatte, miteinander in Verbindung gebracht, aber ich wollte mehr darüber wissen und mich erinnern. Daher begann ich mit der Suche nach verborgenen Geschichten, was für mich eng mit dem Amateurhaften als Wert verbunden ist.

Vermelho bruto verbindet Homemovies mit zeitgenössischem Filmmaterial, das von Jô, Alessa, Fabiana und Eunice gedreht wurde: vier Frauen, die während der ersten demokratischen Wahlen Brasiliens Ende der 1980er-Jahre bereits als Teenager Mütter wurden. Was den Film so besonders macht, ist die poetische und radikale Geste jeder einzelnen von ihnen in ihrem eigenen Umfeld – weit mehr als die klar erkennbaren Unterschiede zwischen ihnen bzw. dem, was sie erlebt haben. Die Struktur und Qualität unterscheiden sich in Bezug auf Bild und Ton. Geräusche und Kratzer besitzen eine gespenstische Dimension. Und doch ist der Körper auf die eine oder andere Weise präsent, im Akt des Filmens und des Gefilmt-Werdens. In Stimme und Atem. Die Brutalität der Gegenwartsform untergräbt meiner Meinung nach die Zeitlichkeit. Ich betrachte den Film als eine Erfahrung des Wanderns und des Sammelns – als etwas, das sich dem Licht, der Auflösung und der linearen Zeit entzieht. Um es mit einem Sprichwort auf den Punkt zu bringen: Mit dem Stein, den er heute geworfen hat, hat Esú gestern einen Vogel getötet. (Amanda Devulsky)

Im Anschluss Gespräch mit Amanda Devulsky (in englischer Sprache).

Tickets sind hier verfügbar.

  • Sektion Section: Film
  • Programm Programme: they gave us flames, we made a fire 3
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