Vestibules
↳ Myriam Lefkowitz
2026, 01:30:00
Performance (in englischer Sprache)
In letzter Zeit habe ich sowohl bei mir selbst als auch bei Menschen in meinem Umfeld immer häufiger Verdauungsprobleme festgestellt. Von chronischen Erkrankungen bis hin zu unregelmäßigen Schmerzen, von organischen Symptomen bis hin zu einem generellen Gefühl der Überforderung – es scheint vieles zu geben, das wir schlicht und einfach nicht mehr schlucken können. Ob es sich nun um Lebensmittel oder Bilder handelt – man kann mittlerweile von einem allgemeinen, für die heutige Zeit typischen Entzündungs-Syndrom sprechen. Diese Übung versteht sich als eine Möglichkeit, sich Zeit zum Verdauen zu nehmen und darüber nachzudenken, was Verdauen eigentlich bedeutet.
Vestibules (Vorräume) ist eine Einladung an eine kleine Gruppe, sich hinzulegen und die Augen zu schließen. Sobald die Gruppe horizontal liegt und ihre Augen geschlossen hat, beginne ich mit einer Vokalpartitur, die die Gruppe durch Bilder und Empfindungen führt. Nach und nach beginnt sich eine „somatische Fiktion“ zu entfalten. In den Zwischenräumen zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was wahrgenommen, gefühlt, imaginiert, gedacht und erinnert wird, vollzieht sich im Körper ein instabiler Prozess der Bearbeitung, bei dem Bilder, ähnlich wie im Verdauungsapparat, verarbeitet und wiederaufbereitet werden.
Nach der Übung bleibt Zeit für ein Gespräch, in dem Eindrücke, Empfindungen, Gedanken, Fragen, Erinnerungen und Bilder wachgerufen werden. Alles, was die Aufmerksamkeit einer Person geweckt hat, kann zu einer kollektiven Ressource werden, um diese inneren Eindrücke zu verarbeiten und unseren Verdauungsprozess zu fördern.
Die Übung kann einen außergewöhnlichen Zustand der Aufmerksamkeit hervorrufen. Es handelt sich um eine somatische Erfahrung, die im sensorischen System jeder*jedes einzelnen Teilnehmenden stattfindet. Infolgedessen kann sie die Wahrnehmung von Zeit, Raum und Schwerkraft, aber auch das Bild, das wir von unserem Körper und seiner Geschichte haben, beeinflussen. (Myriam Lefkowitz)
Content note:
Im Verlauf der Performance werden die Teilnehmenden mit geschlossenen Augen für etwa 45 Minuten im Dunklen liegen. Dabei kommt es zu keinem direkten Kontakt mit der Performerin. Die gesamte Performance vollzieht sich als eine Erfahrung des Hörens und Verarbeitens. Sollten Teilnehmende sich unwohl fühlen, können sie jederzeit die Performance verlassen und werden zum Ausgang begleitet.
Begrenzte Teilnehmer*innenzahl.
Anmeldung bitte unter presse@emaf.de.
- Sektion Section: Film
- Programm Programme: they gave us flames, we made a fire 1